
Fide in te!
In Gedenken an die Lateinlehrerin und Fachleiterin Ina Rogge, der nach ihrem Leitspruch „Fide in te. Jede·r hat eine Perle in sich.“ eine ganzheitliche Förderung junger Menschen am Herzen lag, veranstaltet die Elisabeth-Lebek-Stiftung Lebendiges Latein e.V. für besonders motivierte und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und EF an Gymnasien und Gesamtschulen der Bezirksregierung Köln sowie für die Erst- und Zweitplatzierten des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen SOLO Latein NRW des Jahres 2026 eine Lateinakademie zum Thema „Klöster als Zentren von Bildung und lateinischer Sprache“.
Diese Ina-Rogge-Lateinakademie wird vom 20.-21. Februar 2027 in der Jugendherberge Köln-Deutz stattfinden. Die Teilnehmenden werden dabei die Möglichkeit haben, in kleinen Gruppen - begleitet von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Hochschulen sowie von erfahrenen Lehrkräften aus Nordrhein-Westfalen - zu einem der folgenden Projekte zu arbeiten:
Projekt 1: Karl, der Große - ein typischer Herrscher? Biografische Streiflichter
Die „Vita Karoli Magni“, die Biografie Karls des Großen, ist das wohl bekannteste Werk des fränkischen (Laien-)Abts Einhard. In diesem literarischen Werk der Renaissance beschreibt der Gelehrte zunächst die Taten Karls, insbesondere die von ihm geführten Kriege sowie seine Bauten. Er zeichnet aber auch ein lebendiges Bild Karls als Menschen – und dieses wollen wir uns genauer anschauen. Wie sah Karl eigentlich aus? Wie können wir uns seinen Alltag vorstellen? Welche Lebensgewohnheiten hatte er? Hatte er Hobbys? Welche Rolle spielte seine Familie für ihn? War er selbst eigentlich gebildet? Was lernten die Königskinder? Und nicht zuletzt stellen sich die Fragen: Warum zeigt Einhard diese „private“ Seite des Kaisers? Entspricht das Bild, das Einhard entwirft, der Vorstellung eines typischen Herrschers? Gibt es eine solche heute überhaupt noch?
Projekt 2: Vom Brief zur Edition
Einhard (um 770-840) war nicht nur Autor der berühmten Vita Karoli Magni, sondern auch der Verfasser von über 70 Briefen, die er als einflussreicher Berater der karolingischen Könige und als vielbeschäftigter Abt schrieb. Diese Briefe dokumentieren nicht nur den Alltag und das Leben der Reichen und Mächtigen, sondern auch das Leben der mittelalterlichen Menschen aus einfachen Verhältnissen. Über welche Themen schrieb Einhard? Mit wem korrespondierte er und auf welche Fragen und Probleme seiner Zeit antwortete er? Neben solchen inhaltlichen Aspekten interessiert uns auch die Überlieferung der Briefe. Wie sind die Texte heute noch verfügbar? Können wir die Briefe aus einer Handschrift des 9. Jahrhunderts überhaupt lesen? Und welche Arbeitsschritte sind nötig, um einen mittelalterlichen Brief in einer modernen Textfassung zur Verfügung zu stellen?
Projekt 3: Karl im Fegefeuer: Klöster als Entstehungsorte von Visionsliteratur
Der Reichenauer Mönch Heito schrieb um 824/25 eine Traumvision über das Jenseits auf, von der ihm sein Mitbruder Wetti kurz vor seinem Tod berichtet hatte. In dieser Vision sah Wetti sein eigenes Ende, aber auch das Schicksal bekannter Zeitgenossen im Jenseits. Dieser auf den ersten Blick merkwürdige Text kann uns Einblicke in das Denken und Fühlen, Bangen und Hoffen der mittelalterlichen Menschen geben. Welche Vorstellung von einem Leben nach dem Tod wird hier vermittelt? Wieso konnte ein mächtiger Herrscher wie Karl der Große im Fegefeuer landen? Welche Rolle spielte es, dass Heito als Mönch diesen Text verfasste? Gleichzeitig stellt die Visio Wettini aber auch Fragen an uns heute: Was gehört zu einem gelingenden Leben? Was verstehen wir unter dem Jenseits? Ist das Jüngste Gericht für uns ein Ort des Richtens und der Gerechtigkeit oder ein Ort der Hoffnung?
Projekt 4: Führungskompetenzen früher und heute. Die Regula Benedicti als Leitlinie für Führungskräfte unserer Zeit?
Um das Jahr 540 verfasst Benedikt von Nursia die Regula Benedicti, in der er in 73 Kapiteln die Ordnung für das monastische Leben des Benediktinerordens festlegt. Benedikt selbst sah darin eine „Regel für Anfänger“. Wer sich mit den in der Regula Benedicti thematisierten Werten auseinandersetzt, erkennt schnell, dass dieser Text auch für Nichtmönche eine Richtschnur für das Leben sein kann. Das Projekt möchte beispielhaft genau diesen Fragen nachspüren. Welche Werte werden thematisiert? Welche antiken und philosophischen Vorbilder gibt es? Was soll einen Abt als Führungspersönlichkeit eines Klosters auszeichnen? Wie wurde dieser Text rezipiert und im jeweiligen historischen Kontext konkretisiert? Lassen sich diese Kriterien auf unsere Zeit und heute gefragte Führungskompetenzen übertragen?
Neben der inhaltlichen Arbeit steht eine Exkursion zur Handschriftenabteilung der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln auf dem Programm, um Originalhandschriften aus karolingischer Zeit und den Umgang mit diesen kennenzulernen.
Die Anmeldung für die Ina-Rogge-Lateinakademie erfolgt entweder durch einen Schulvorschlag oder bei den Erst- und Zweitplatzierten des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen SOLO 2026 durch eine Eigenbewerbung unter folgendem Link.
Anmeldung
Weitere Informationen zur Akademie finden Sie in unserem Flyer, der gerne heruntergeladen und an interessierte Schülerinnen und Schüler weitergereicht werden kann.
Wir würden uns über zahlreiche Bewerbungen freuen.